Irgendwas tut sich in der Frauenwelt. Ich kann es noch nicht greifen, aber es hat den Eindruck eines Reinigungsprozesses. Und ganz ehrlich? Es fühlt sich nicht sanft an. Es fühlt sich roh an. Wie ein inneres Aufbrechen. Wie ein „So geht’s nicht mehr weiter“.
Langjährige Freundschaften werden durchgerüttelt und geprüft: Tut mir das noch gut? Oder halte ich hier etwas fest, nur weil es schon immer da war und weil ich mich daran gewöhnt habe? Muss das (die Freundin/Weggefährtin) vielleicht weg — nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil ich mich verändert habe? Was brauche ich wirklich? Was nährt mich? Was will ich endlich mal nur für mich klären, ohne Rücksicht auf Erwartungen? Wen will ich auf meinem Weg wirklich dabei haben? Wer ist auf derselben Frequenz unterwegs — und bei wem merke ich, dass ich mich verbiege, kleiner mache oder erkläre, rechtfertige, anpasse? Und wer findet (erkennt und sieht) mich und fühlt sich sofort vertraut an? Bei wem fühle ich mich wohl, obwohl ich ihn/sie eigentlich gar nicht kenne?
Manchmal versuchen sich alte Freundschaften nochmal aufzudrängen. Nicht unbedingt durch die Menschen selbst, sondern durch Erinnerungen. Und die sind ja oft wunderschön. Vertraut. Warm. Dieses „Ach… vielleicht sollten wir uns doch nochmal treffen… vielleicht kann man das wieder hinbekommen…“. Ja. Vielleicht. Vielleicht haben wir uns auch einfach nur verändert. Und zwar in einem Ausmaß, das alte Energien nicht mehr zulässt und das Alte einfach keinen Platz mehr hat. Nicht aus Bosheit. Nicht aus Ablehnung. Sondern weil Entwicklung manchmal bedeutet, dass Energien nicht mehr zusammenpassen. Punkt.
Auch Beziehungen knirschen gerade bei vielen. Frauen tragen so viel — Emotionen, Erwartungen, Verantwortung, Hormone, innere Prozesse (eine schönere Formulierung von „der tägliche Kampf mit den inneren Dämonen) — und wollen trotzdem für andere da sein. Aber wie soll das gehen, wenn man mit sich selbst kaum klar kommt? Wenn innen Chaos ist?
Die Frauenwelt hat die Schnauze voll, so scheint es (Ich will jetzt überhaupt nicht politisch werden, denn darüber kann sich jede(r) selber informieren, sofern man das möchte): Von Funktionieren. Von Nettsein. Von Runterschlucken. Von „Ich muss das aushalten“. Von „Na gut, eigentlich habe ich keine Kraft und Energie mehr dafür, aber…. na gut.“ Aber ich rede hier auch von etwas, das man nicht in eine Kategorie stecken kann. Etwas, das einen leider oft erschüttert, da man es nicht kommen sieht: Die plötzliche und spürbare Distanz zwischen zwei Menschen. Diese fragen sich, was sie falsch gemacht haben. Warum sie keinen „Draht“ mehr zu ihrer Freundin/ihrem Freund haben. Warum sie ausgeschlossen werden. Und wenn dann Verbindungen brechen oder sich verändern, trifft es einen trotzdem ins Herz: Warum fühlt sich alles plötzlich fremd an?
Ich hab da so eine Theorie. Aber ich kann auch völlig falsch liegen. Die Schwingungen passen einfach nicht mehr (Überraschung). Und manchmal braucht es Distanz — echte Distanz — damit man sich selbst wieder hört. Damit alte Glaubenssätze nicht ständig getriggert werden. Wenn immer wieder dieselben Knöpfe gedrückt werden, kann man sich nicht neu sortieren. Dann bleibt man im Alten hängen.
Und jetzt kommt der unbequeme Teil: Nicht jede Verbindung ist dafür gemacht, dass sie ein Leben lang hält. Boom! Manche Menschen passen nur zu einer bestimmten Version von dir. Und wenn du dich weiterentwickelst, passt es eben nicht mehr. Das ist kein Drama. Das ist Realität.
Distanz ist kein Egoismus. Es ist Erwachsenwerden. Es ist der Moment, in dem du merkst: Ich kann nicht gleichzeitig heilen und mich ständig in alten Dynamiken aufhalten.
Und ja — das triggert andere. Weil sie ein Bild von dir haben, das du vielleicht gar nicht bedienen wolltest. Weil sie dich kennen in deiner alten Rolle. Die, die funktioniert hat. Die, die getragen hat.
Die, die verfügbar war. Die, die bequem war und reingepasst hat. Die ANgepasst war.
Aber eine Frau, die anfängt, sich selbst ernst zu nehmen, wird unbequem. Oh ja, ich weiß das. Das ist nicht schön. Nicht für die Frau und nicht für die, die…. naja, sagen wir mal, die es gerne harmonisch haben.
Sie nickt nicht mehr alles ab.
Sie schluckt nicht mehr alles runter.
Sie erklärt sich nicht mehr für Dinge, für die sie sich früher entschuldigt hätte.
Sie hat keinen Platz mehr für Drama, das nicht ihres ist.
Sie hat keinen Platz mehr für wandelnde Regenwolken, die ihr die Sicht auf die Sonne nehmen.
Und ab da nimmt alles seinen Lauf. Sie weiß, was jetzt passieren wird und dass nur wenige mit ihrer Offenheit und Direktheit umgehen können. Und damit meine ich nicht: Wenn du nicht mit mir klar kommst, ist das dein Problem.“, denn das ist verletzend. Ich meine damit Konfrontation, Diskussion und dennoch ein „Aufeinander-zugehen“. Man will niemanden vor den Kopf stoßen, aber man geht, wenn es sein muss. Auch, wenn man Angst davor hat und wenn es weh tut.
Und genau da entsteht Reibung. Nicht, weil du falsch bist.
Sondern weil du dich bewegst.
Ich glaube, viele Frauen stehen gerade genau an diesem Punkt:
Zwischen „Ich will niemanden verlieren“ und „Ich will mich selbst nicht mehr verlieren“.
Und irgendwann wird die Entscheidung klar.
Und gleichzeitig sehe ich so viele Frauen mit Feuer. Mit Visionen. Mit Trotz. Mit diesem „Jetzt erst recht“. Hoffnungen, die lange unterdrückt waren. Wünsche, die endlich Raum wollen. Manifestation, Baby. Macht weiter so.
Denn vielleicht ist das hier kein Zerbrechen — sondern ein Häuten (Das Jahr der Schlange ist gerade erst vorbei).
Ein Abstreifen von Rollen, die nicht mehr passen.
Ein klares Spüren von Grenzen.
Ein mutiges „Nein“.
Ein ehrliches „So nicht mehr“.
Und ja — das tut weh. Wachstum tut oft weh. Aber es macht auch unfassbar lebendig. Und stark.
Und dann, plötzlich, tauchen neue Menschen auf. Begegnungen ohne Anstrengung. Ohne Vergangenheit. Ohne Rechtfertigung. Dieses sofortige Gefühl von Vertrautheit. Von „Ah — da bist du ja“.
Vielleicht sortiert das Leben gerade einfach neu.
Wer bleibt. Wer geht. Wer kommt.
Und vor allem: Wer du selbst wirklich bist.
Wenn du also gerade mitten in diesem emotionalen Chaos steckst — du bist nicht falsch. Du bist in Bewegung.
Und Bewegung ist Kraft.
Wir sind stark. Ohne Kampf. Ohne Streitlust.
Weil wir wissen, was passiert, wenn Frauen aufhören, sich gegenseitig klein zu halten — und anfangen, sich zu stärken. Und lasst das bitte endlich nicht mehr nur eine leere Floskel sein.



3 Gedanken zu „Von wilden Frauen oder „Was ist denn eigentlich los hier?““
Dein Text klingt nach Selbstermächtigung – und das ist grundsätzlich etwas Gutes. Was mich allerdings nachdenklich macht, ist, wie schnell Menschen darin zu Phasen oder ‚nicht mehr passenden Energien‘ werden. Beziehungen sind für mich mehr als gleiche Schwingung. Sie bedeuten auch Verantwortung, Auseinandersetzung und den Mut zum Gespräch und nicht zum Aussitzen und Ghosten – gerade dann, wenn es unbequem wird.
Menschen einfach innerlich auszusortieren, weil sie nicht mehr ins eigene Wachstum passen, halte ich für eine sehr einfache Sichtweise. Entwicklung darf nicht bedeuten, andere austauschbar zu machen.
Da gebe ich dir uneingeschränkt recht. Ich habe hier vorausgesetzt, dass man vorher in Austausch gegangenen ist, eben um herauszufinden, was sich verändert hat. Missverständnisse kann man schnell klären. Wenn mein Text hier missverständlich ist und du herausgelesen hast, dass geghostet werden soll, dann hoffe ich, dies hiermit korrigiert zu haben. Ghosten und aussitzen ist das Schlimmste in einer Beziehung, egal welcher Art.
„Gelesen – für gut befunden!“
Genau das könnte hier nun stehen und das sagt alles aus. Ich hab mich so in deinen Worten wiedergefunden!
Aber mit Widerspruch! Ein bissl zumindest!
Auch ich habe viele Menschen die letzten Monate und Jahre ziehen lassen – weil ich mich verändert habe statt mich zu verbiegen. Aber andersherum sind nun wirklich (wenige) Menschen tatsächlich mal geblieben, weil es so herrlich schwingt! Und ich bin so froh darüber, dass du einer dieser Menschen – eine dieser starken tollen authentischen Frauen – bist!
Übrigens kann ich hören was du schreibst! Ich lieb es!
Danke für deine Gedanken!