Naiv oder in sich ruhend

Vor ein paar Tagen hatte ich ein Gespräch mit einem älteren Herrn. Natürlich ging es irgendwann auch um politische Ansichten und das aktuelle Weltgeschehen. An diesem Punkt breche ich ja gern Gespräche ab. Hat uns die jüngere Vergangenheit doch gelehrt, damit nicht zu offen umzugehen. Aber nicht dieses Mal: Man hat sich zugehört und (was völlig rebellisch war) man hat die Meinung des anderen akzeptiert. Ein völlig ruhiges sachliches Gespräch. Hach, wie einfach könnte es sein.

Und da habe ich gemerkt, dass ich mich die letzten Monate tatsächlich sehr „rausgenommen“ habe aus allem: Panikmache, Ängste schüren, keine Nachrichten mehr (nur noch gaaaaaanz vereinzelt), etc. Was das zur Folge hatte? Ich bin innerlich völlig ruhig geworden. Es hat sich noch etwas geändert: Die Leute in meinem Umfeld. Keine Giftspritzer mehr, keine „von oben herab auf dich runter ich schau“-Menschen, keine „ich bin so gesegnet mit meinem Weitblick“-Spiris, keine Toxen und schon gar keine Narzissten mehr. 

„Du kannst die Menschen um dich herum nicht ändern. Aber du kannst die Menschen um dich herum ändern.“

Muss man evtl. zweimal lesen, bis es Sinn ergibt.

Bin ich jetzt also naiv, wenn ich den „Ernst der Lage“ für mich auf diese Art und Weise entschleunige? Weil ich nichts mehr an mich heranlasse, was mich zusätzlich noch aufwühlt? Weil ich manche Menschen nicht mehr an mich heranlasse, von denen ich weiß, dass sie mir wirklich nicht gut tun? Weil ich wähle, womit und vor allem mit wem ich mich beschäftigen und meine Zeit verbringen möchte? Die Zeit rast nur noch so dahin, ist doch so. Auffallend schnell. Man kommt sich vor, als ob man seine Zeit nicht verschwenden möchte. Bin ich naiv, weil ich froh bin, wenn meine kleine Welt in sich funktioniert? Bin ich naiv, wenn ich mir meine eigene Meinung über „das große Ganze“ gebildet habe und so ganz prima zurecht komme?

Ich bin innerlich völlig ruhig geworden. Ich glaube das ist das Gefühl, das sich einstellt, wenn man im Vertrauen ist. „Sei im Vertrauen“ hörte ich immer wieder. Als ob das ein Schalter ist, den man anmachen kann und dann ist es da, DAS Vertrauen. In wen, in was und wieso überhaupt?

Ich gebe das Gefühl nicht mehr her, es fühlt sich absolut richtig an. Deswegen weiß ich, dass es absolut richtig ist mich mit „meinen“ Leuten zu umgeben und Zeit zu verbringen. Menschen, die mir gut tun, die mich weiterbringen, die an mich glauben. Ich habe gemerkt, dass ich das brauche: Den Austausch, die Gespräche, das Lachen und manchmal auch Weinen, sich gemeinsam solidarisch aufregen und immer wieder stärken und ermutigen. Seht ihr den Austausch, diese Schleife von einem zum anderen, diesen Energieausgleich? Das passiert von ganz alleine. Da hat eine anders schwingende Person überhaupt keinen Platz mehr. Die sortiert sich schon von ganz alleine aus. Man sucht sich schon gar nicht. (Habt ihr schon mal was vom Herzmagneten gehört?)

Es ist auch absolut richtig, sich mit Dingen zu beschäftigen, die einen nähren und nicht Energie rauben. Auch hat jeder das Recht Informationen von sich wegzuhalten, wenn sie einen krank machen. So. Muss ja jeder selber wissen, wieviel Information ersiees verträgt. Wo fängt man an, wo hört man auf? Zerstört es meinen inneren Frieden, will ich es nicht. Denn DAS ist MEIN Reichtum. Der wird verteidigt. Auch wenn das bedeutet, dass ich mich nicht besonders gut in die Gesellschaft einfüge. Wenn ich mir die Gesellschaft so anschaue, ist das nicht unbedingt ein großer Verlust. Weder für die Gesellschaft noch für mich. 

Ja, vielleicht bin ich naiv, weil ich nur noch nach positiven Vibes Ausschau halte, weil ich keine Lust mehr habe auf Panikattacken, Zukunftsängste, Kopfschmerzen vor lauter Nachdenken. Wenn die Zeit schon so dahinrast, dann will ich sie so verbringen, dass es mir gut geht und ich mir nicht am Ende des Tages denken muss: „Da hättste deine Zeit besser verbringen können. Das war ja jetzt mal nix.“

Merkt ihr noch, was euch gut tut? WER euch gut tut? Ich gönn mir zur Zeit, bewusst und mit ganzem Herzen: Essen, Verwöhnzeit, Klatschzeit mit meinen Besties, Lachen einfach mal so. Und das genieße ich soooo sehr. Ich mag momentan noch nicht einmal stark gewürztes Essen, das zu salzig oder zu sauer ist. Wenn ich auf etwas Süßeres (keine Süßigkeiten!) ausweichen kann, dann lieber das. Ich will die Süße in meinem Leben haben und spüren. Ist das naiv, wenn man das will? Oder ist es ok, wenn ich Leichtigkeit haben will, weil mir die Schwere zu viel wird? Damit muss nicht jeder einverstanden sein. Das muss noch nicht mal jemand verstehen. Denn das ist meine Art, um meine innere Ruhe zu finden. Ist ja auch MEINE innere Ruhe. 

Passt auf euch auf, sonst macht es keiner. 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Lissy, ich fühl deine Gedankengänge so sehr!
    Danke für deinen Text und DEINE Meinung. Die schätze ich sehr und fühl mich richtig wohl, ein kleiner Teil in DEINEM Kreis sein zu dürfen. ❤️‍🩹

    Liebste Grüße,
    Lili 🍄

  2. Liebe Lissy,

    merci vielmals für Deine Worte.
    Ich bin da noch nicht ganz soweit wie Du aber ich denke ich befinde mich auf einen sehr guten Weg.
    Ich kenne da zwei ganz liebe Seelen die mir bei meinem Weg so unterstützen, es sind richtige „Zauberkünstlerinnen“.
    Ich finde es überhaupt nicht naiv sondern voller Selbstfürsorge und Selbstliebe.

    Fühle Dich umarmt und gedrückt 🫶🏻

    Andrea

    • Liebe Andrea, das freut mich, wenn du damit etwas anfangen kannst. Das war und ist alles ein Prozess und nichts, was sich von heute auf morgen ändern wird. Selbstliebe und Selbstfürsorge ist das Schwierigste, wie ich finde. Sind doch alle anderen immer wichtiger und man will doch von allen gemocht werden.
      Es ist großartig, dass dir das bewusst ist. Das ist ein großer und wichtiger Schritt. Bewahr dir die Menschen in deinem Umfeld, die dich dabei unterstützen. Du bist wunderbar🫶

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