Ich hab da eine These. Es geht um die New Age-Freundschaften aka Instant-Freundschaften. Ich hatte in den vergangenen Jahren einige dieser Freundschaften: Sehr schnell sehr eng und sehr intensiv. Man kann gar nicht mehr ohne einander, man hängt förmlich jeden Tag zusammen, verbringt sehr viel Zeit miteinander, hat natürlich viele Gemeinsamkeiten und demnach auch viele Pläne. Irgendwie richtet man sein Leben nach dieser Freundschaft aus, weil diese Prio 1 hat. Man hat immerstetsandauernd Zeit, ist 24/7 für den anderen erreichbar und man lässt sich auch gewisse Übergrifflichkeiten gefallen. Denn in dieser Phase ist es völlig ok, wenn man mal von jemandem anders die „Meinung“ gesagt bekommt. Und so ganz plötzlich verändert/verschiebt sich der Fokus. Erst so ein bisschen und ganz allmählich und irgendwie fühlt sich diese Freundschaft ein kleines bisschen anders an. Man weiß nicht so recht, wie und warum, aber irgendwas ist anders. Man telefoniert nicht mehr ganz sooft. Man fragt nicht mehr sooft nach, wie es dem anderen geht. Man weiß es ja. Die Meinung empfindet man jetzt als übergriffig und irgendwie fängt man an sich über den anderen zu ärgern oder sagen wir mal sich über den anderen vermehrt zu wundern. Man überlegt, ob man ans Telefon geht, weil man weiß, was kommt, wenn man den Anruf annimmt, aber man tatsächlich arbeiten muss. Dann fallen kleine Bemerkungen, die einem einen kleinen Stich versetzen und man versucht es noch irgendwie schön zu reden. Oder man versucht das Gefühl im Bauch zu ignorieren. Diese fiese Bauchgefühl. Es warnt einen doch. Aber nein, wir wollen ja immer nicht hören. Auf jeden Fall fühlt man sich mit dem anderen nicht mehr wohl. Man versucht erst, die „Freundschaft“ aufzufangen, dem anderen einen Grund zu geben, nicht daran zu zweifeln, aber das funktioniert nicht. Irgendwas ist kaputt gegangen. Und soll ich euch was sagen? Das geht immer ziemlich genau ein Jahr. Deshalb nenne ich diese Instant-Freundschaften meine Einjahres-Freundschaften: Schnell da, schnell wieder weg. Wie auf Knopfdruck. Kein inniges Gefühl der Verbundenheit mehr, da ist nichts mehr. Zack, weg.
ich habe mich immer wieder gefragt woran das liegt. An mir? An der Situation, in der man die andere Person getroffen hat? Hat sich diese Person verändert? Wie kam es, dass ich mich in dieser Person so getäuscht habe? Oder hat man sich einfach zu einem bestimmten Zeitpunkt treffen müssen, um sich gegenseitig etwas beizubringen im Sinne von „einen Punkt auf seiner To Do-Liste seines Seelenplanes abzuhaken“, um voneinander zu lernen?
Ich glaube das ist es. Sonst macht das ja irgendwie keinen Sinn. Musste man sich erst gegenseitig auffangen, sich gegenseitig pushen, sich gegenseitig den berühmten Spiegel unter die Nase halten, sich mit alten Themen triggern, um dann das „Gelernte“ umzusetzen, getrennt voneinander? Um danach wachsen (heilen) zu können? Manche dieser Frauen (ja, es waren in erster Linie Frauen) sehe ich hin und wieder, aber man hat sich nichts mehr zu sagen. Das, was man immer so spannend gefunden hat, ist jetzt alles andere. Manchmal möchte ich ganz schnell weg von dieser Person, ich will mich nicht zu lange in ihrer Nähe aufhalten. es fühlt sich jetzt äußerst unangenehm an. Komisch oder? Manche interessieren mich nicht mehr. Auch spannend zu beobachten. Keine Ahnung, vielleicht weil ich nach der „Trennung“ zu enttäuscht oder verletzt war. Ja, ich weiß. Eine Enttäuschung ist etwas Gutes, das Ende einer Täuschung. Vielleicht hat sich diese Person ja auch in mir getäuscht. Vielleicht hat sie etwas anderes von mir erwartet. Bei manchen weiß ich tatsächlich nicht, was vorgefallen ist.
Ich versuche wirklich bei neuen Bekanntschaften nicht zu überschwänglich zu sein. Es kann ja wieder eine Einjahres-Freunschaft sein. So eine kleine Leere bleibt ja trotzdem erst mal immer zurück. So eine kleine Trauer. Dieses kleine Loch sollte man dann aber ganz schnell füllen. Mit dem Gefühl, das echte Freunde hinterlassen. Eine Wärme in der Herzgegend mit einem Hauch Glücksgefühl.
Diese Instant-Freunde sind nur Wegbegleiter für eine sehr kurze Strecke. Aber wahrscheinlich für einen sehr wichtigen Teil des langen Weges. Das ist ok. Ich habe viel mitgenommen. Ich versuche immer das Positive aus dem Erlebnis zu ziehen. Ich hoffe meinen ehemaligen Freunden geht es ebenso. Naja, wahrscheinlich nicht. Aber das ist ihr Weg. Ich wünsche jedem Freunde, die sich auch als solche erweisen.
Denn es gibt sie noch – diese besonderen Freundschaften. Oder wenn aus Kunden Geschäftspartner werden und dann als Krönung Freunde. BOOM! Meisterklasse. Passiert. Einfach so. Ich bin mir sicher, da hat sich das Universum gedacht: Diese beiden sollten sich jetzt treffen. Jetzt ist die Zeit reif. Diese beiden dürfen sich jetzt erst mal gegenseitig gut tun. Dann dürfen sie alles um sich herum in Bewegung setzen und DANN dürfen sie die Welt verändern. Nein, nicht die ganze Welt. Aber vielleicht ein paar kleine Welten. Und dann…. wer weiß. Schmetterlingseffekt. Und dann sind wir beim Thema Wandel. Aber dazu erzähl ich euch mehr im nächsten Blog…..